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Trotz Hightech zählt der Faktor Mensch - Bürgermeister Wolfgang Koch besucht die Firma Döpke Metallwaren und Ladenbedarf

Bünde. Blitzschnell wandert der grelle Punkt über das daumendicke Metall und setzt einen sauberen Schnitt. „In unserem Unternehmen ist Präzision gefragt, hier kommt es gewöhnlich auf Millimeter-Bruchteile an", sagt Dieter Döpke. Durch eine Glasscheibe beobachtet Bürgermeister Wolfgang Koch den Schneidevorgang des Lasers, der einem kleinen Feuerwerk ähnelt.

Die Firma Döpke Metallwaren und Ladenbedarf ist das dritte Unternehmen, bei dem Wolfgang Koch im Rahmen seiner Besuchsreihe „im Dialog mit Unternehmen" durch Bünder Betriebe zu Gast war. „Nur mit einem solchen Know-How und der Vielseitigkeit, wie wir sie hier erleben, kann man heutzutage den Wünschen der Kunden gerecht werden", so Koch.

Vielseitigkeit ist bei der Firma Döpke wörtlich zu nehmen. Am Standort in Bünde werden Bauteile und -gruppen für Geschäftspartner aus dem Apparate-, Maschinen-, Fahrzeug-, Schiffs- und Flugzeugbau sowie dem Laden- und Messebau produziert. Zu den Kunden zählen bekannte Modeunternehmen ebenso wie Großhändler mit mehreren hundert Filialen oder auch Formel 1-Teams, für die die Bünder Fahrzeug- und Motorenkomponenten fertigen. „Ich bin immer wieder überrascht, wo sich Produkte 'made in Bünde' wiederfinden", zeigte sich auch Wirtschaftsförderer Hartmut Bokel überrascht über den Kundenkreis des mittelständischen Betriebes.

Zu dem 1973 gegründeten Unternehmen gehört auch der „Döco"-Pulverbeschichtungsbetrieb auf dem mittlerweile 8.500 Quadratmeter großen Gelände an der Blankensteinstraße, wo sich die Firma Döpke 1990 angesiedelt hat und seitdem kontinuierlich gewachsen ist. Erst im vergangenen Jahr wurden der Ausstellungs- und Verkaufsraum für Ladenbedarf und Storelights erweitert und mehrere Millionen Euro in den Maschinenpark investiert. „Als kleinerer Mittelständler konzentrieren wir unsere Leistung offensiv auf den kontinuierlichen Verbesserungsprozess um künftigen ökonomischen und technologischen Herausforderungen gerecht zu werden und gleichwohl die Unternehmens-Platzierung für unsere Partner zu sichern. Dafür investieren wir permanent in komplexe Anlagentechnik, Mitarbeiterschulungen aber auch in Messeauftritte, wie etwa Forum Maschinenbau und Euroshop", sagt Dieter Döpke, dem sein Sohn Michael inzwischen als Junior-Teilhaber und Prokurist in der Geschäftsleitung zur Seite steht. Im Moment sei ein neuer Internet-Shop durch ein ostwestfälisches Fachunternehmen im Aufbau. Die Investitionen sollen nach Aussage des Firmenchefs auch der nachhaltigen Sicherung der derzeit 40 Arbeitsplätze dienen.

„Wir verstehen uns als Allrounder, Job-Shop, verlängerte Werkbank für unsere Geschäftspartner", erklärt der Geschäftsführer. Nur durch ein hohes Maß an Flexibilität und die Motivation einer qualifizierten Belegschaft sei es möglich, schnell dem spezifischen Kundenwunsch gerecht zu werden, sagt Döpke, der trotz Automatisierung und jeder Menge Hightech in seinem Unternehmen nach wie vor bewusst auf den Faktor Mensch setzt: „Schlanke Hierarchien und ein persönliches Verhältnis untereinander sorgen für ein gutes Betriebsklima - und das zahlt sich unterm Strich für alle aus." Um langfristig auf motivierte und gut ausgebildete Mitarbeiter zurückgreifen zu können, ist für den Geschäftsführer die Ausbildung eigener Mitarbeiter unumgänglich. Aktuell bildet Döpke Konstruktionsmechaniker und Industriekaufleute aus. Für Wolfgang Koch die richtige Strategie: „Nur wer selbst ausbildet, kann dem drohenden Fachkräftemangel entgegen wirken", so das Fazit des Bürgermeisters nach seinem Rundgang durch das Unternehmen.



Bürgermeister Wolfgang Koch besucht das Spradower Unternehmen Siekmann

Kaum öffnet sich die Klappe des Ofens, steigt die Temperatur in der Umgebung deutlich an. „Im Hochsommer haben wir hier bis zu 60 Grad", sagt Jürgen Büscher. Mit gebührendem Abstand beobachtet Bürgermeister Wolfgang Koch, wie Sergej Bosche mit einer langen Stange ein glühendes Stück Stahl aus der blendend gelb-weißen Öffnung herausfischt, das später als Rohrbogen irgendwo auf der Welt zum Einsatz kommen wird.

Die Spradower Rohrbogen Produktionsfirma Siekmann ist das zweite Unternehmen, bei dem Wolfgang Koch im Rahmen seiner neu initiierten Besuchsreihe zu Gast war. „Ich finde es hochinteressant, wie viele besondere Unternehmen in Bünde angesiedelt sind und freue mich, direkt vor Ort detaillierte Einblicke zu erhalten." Wie Rohrbogen verschiedener Größen und für die unterschiedlichsten Verwendungszwecke hergestellt werden, das wurde dem Stadtoberhaupt während eines Rundganges durch den gesamten Produktionsbereich genau erklärt. „Ab 1992 haben wir uns erst zu unserer jetzigen Linie entwickelt, das heißt weg von den Standardbogen hin zu Sonderrohrbogen mit extrem dicken Wandungen, Sonderradien und speziellen Werkstoffen für den Kraftwerksbau, die chemische Industrie und den Maschinen- und Anlagenbau", sagt Geschäftsführer Jürgen Büscher. Seitdem mache man sich auch stark für Reparaturbedarfsfälle, was die Produktion kleinerer Mengen innerhalb kürzester Zeit bedeute. Das ursprünglich gerade Metallstück aus dem Ofen wurde inzwischen in die gewünschte Bogenform gepresst und kühlt - noch immer rotglühend - langsam aus. „Das dauert zirka anderthalb Stunden, während die gesamte Verformungszeit nur drei bis vier Minuten in Anspruch nimmt", erklärt Büscher. Mit einem Durchmesser von 219,1 und einer Wanddicke von 40 Millimetern wird dieses Produkt aus legiertem Stahl auf Ölplattformen oder im Kraftwerksbau eingesetzt. „Wir sind weltweit die einzigen, die Rohrbogen in dieser Kombination erzeugen", so Annette Pohlmann vom Ver- und Einkauf. Neben diesen großen Dimensionen stellt Siekmann aber auch Produkte mit kleineren Ausmaßen her - in Stückzahlen von eins bis tausend, mit individuellen Spezifikationen, wie beispielsweise unterschiedlichen Gradzahlen. „Wir können kaum vorplanen, da wir nicht wissen, welche Produkte, die individuell angefertigt werden müssen, als nächstes bestellt werden; daher ist die Zulieferer-Organisation eine unserer größten Herausforderungen", so Büscher, der betont, dass man sich als Manufaktur verstehe. Als solche, genauer gesagt als Dorfschmiede, hat auch 1907 die Geschichte des Unternehmens begonnen. Heute stellen 32 Mitarbeiter Rohrbogen unterschiedlichster Art her, die zu 75 Prozent in das europäische Ausland gehen. „Aus Deutschland erhalten wir zwar viele Anfragen, aber bestellt wird relativ wenig", so Büscher. Der Geschäftsführer rechnet aber mit einem moderaten Aufschwung nach den Sommerferien. „Man merkt auf Messen eine positivere Grundstimmung." Im Krisenjahr 2009 sei man „gut durchs Loch gekommen" und habe auch in nächster Zeit gut zu tun. „Ich bin sehr beeindruckt von dem Know-how in diesem Spezialunternehmen; wer hätte gedacht, dass so viele Arbeitsschritte in einem vermeintlich simplen Rohrbogen stecken?", so das Fazit des Bürgermeisters.



Bürgermeister Wolfgang Koch besucht Bünder Unternehmen /Auftakt bei J. Schwarz Folienverarbeitung

Bürgermeister Wolfgang Koch besucht Bünder Unternehmen /Auftakt bei J. Schwarz Folienverarbeitung

Politik und Wirtschaft an einen Tisch bringen, sich besser kennen lernen, den gegenseitigen Dialog suchen und davon profitieren: Das ist das Ziel einer neu initiierten Besuchsreihe von Bürgermeister Wolfgang Koch. Zukünftig wird das Stadtoberhaupt bei verschiedenen Bünder Unternehmen zu Gast sein - der Auftakt fand jetzt bei J. Schwarz Folienverarbeitung statt.

Die Idee zu dieser Reihe ging aus einer im vergangenen Jahr durchgeführten Umfrage hervor. „Der Wunsch nach mehr Dialog kam von den Betrieben selber", erläutert Wirtschaftsförderer Hartmut Bokel. Im Rahmen der Kampagne „Erfolg made in Bünde" habe die Stadt diese Anregung aufgegriffen und gemeinsam mit dem Bürgermeister die Besuchsreihe initiiert, ergänzt Stadtmarketing-Chef Ralf Grund. „Wirtschaft und Politik sollen sich besser kennen lernen und ich erhoffe mir zudem von den Unternehmen zu erfahren, wie hiesige Standortfaktoren wahrgenommen werden oder zu verbessern sind", so Koch. Er plane die Stippvisiten bei mittelständischen und kleineren Unternehmen im lockeren Turnus, „einmal im Monat wäre schön", so Koch. Bei dem Rundgang durch die verschiedenen Bereiche des inhabergeführten Familienunternehmens J. Schwarz Folienverarbeitung zeigte sich der Bürgermeister vom vielfältigen Leistungsspektrum und weltweiten Absatzmarkt, mit den Schwerpunkten Europa und Asien, beeindruckt. „Es ist sehr interessant zu sehen, wie hier bekannte Produkte mit modernsten Maschinen hergestellt werden", so Koch. 1978 wurde das Unternehmen mit Sitz im Industriegebiet Ennigloh gegründet, beschäftigt heute 53 Mitarbeiter und verfügt über eine Produktions- und Lagerfläche von 3.250 Quadratmetern. Hergestellt werden technische Folienartikel, Kunststoff-Formteile und Druckprodukte, hauptsächlich in den Fertigungsverfahren Siebdruck, Laserschneiden und Fräsbearbeitung. Zu den Abnehmern gehören Partner aus den Bereichen Verkehrstechnik, Maschinenbau, Automaten- und Automobilhersteller, Medizintechnik, Möbelindustrie und weitere mehr. In einem ausführlichen Gespräch mit den beiden Geschäftsführern Josef und Daniel Schwarz sowie Dirk Moritz vom Vertrieb und Marketing diskutierte Koch über die Qualitäten der Stadt Bünde als wirtschaftlichen Standortfaktor. „OWL ist nicht der Nabel der Welt, daher machen wir uns Gedanken, wie wir den Standort attraktiver gestalten können", so der Bürgermeister. „Wir haben wenig Grund zur Kritik, fühlen uns hier wohl und sehen unseren Standort durch zukünftige Erweiterungen und Investitionen gesichert", sagt Daniel Schwarz. Für ihn sei der Bildungsfaktor von entscheidender Bedeutung. „Die Jugend ist die Gesellschaft von morgen und wenn diese nicht in Lohn und Brot steht, schafft das große Probleme." Koch stimmte zu: „Für uns als Mittelzentrum ist die Bildung ein ganz wichtiges Thema." Gleichzeitig übte er Kritik an den momentanen Lehrplänen, die seiner Meinung nach überarbeitet werden müssten. „Viele Inhalte werden im späteren Berufsleben kaum mehr benötigt." Neben der Bildung seien eine attraktive Innenstadt, erschwingliche Immobilienpreise, ein gutes Kulturangebot,
Freizeitmöglichkeiten und ein interessantes Umfeld wichtige Standortfaktoren für ein Unternehmen, so Josef Schwarz. Das sei in Bünde vorhanden. „Dinge wie der Gewerbesteuerhebesatz oder schnelle Genehmigungsverfahren sind natürlich auch zu beachten, können sich aber schnell verändern."