Tourismus Bünde Newsletter



Startseite » Aktuelles

Aktuelles

16.01.2012 Ein Fall für Spezialisten

Immer mehr Ausbildungsplätze bleiben unbesetzt / Drohende Fachkräfteknappheit

Bünde. Die Zahl der Lehrstellenangebote steigt, die Zahl der vermittelten Bewerber auch. Trotzdem bleiben immer mehr Ausbildungsplätze unbesetzt. Die Folge: drohender Fachkräftemangel. Schon heute klagen einige Branchen über das Fehlen qualifizierter Mitarbeiter. Am Wirtschaftsstandort Bünde ist die Situation noch nicht so angespannt wie in anderen Regionen, teilt die Agentur für Arbeit mit. Aber die Luft wird dünner. Dafür sorgen allein die zukünftig sinkenden Schülerzahlen.

„Wegen des demographischen Wandels gehen die Schüler- und somit Bewerberzahlen automatisch zurück", sagt Nicole Reinhart, Geschäftstellenleiterin der Agentur für Arbeit Bünde, die neben der Stadt Bünde auch für die Gemeinden Kirchlengern und Rödinghausen zuständig ist. Knapp 600 Bewerber für Berufsausbildungsstellen waren im vergangenen Jahr in dieser Region gemeldet. Das entspräche in etwa der Anzahl der vergangenen Jahre. „In Zukunft wird sich die Zahl aber reduzieren", sagt auch Dirk Starke, Berufsberater zuständig für einige Herforder Schulen. Trotz regionaler Unterschiede gilt deutschlandweit die Formel: sinkende Bewerberzahlen treffen auf steigende Lehrstellenangebote. „Wir haben auch in Bünde immer mehr Ausbildungsstellen, die wir nicht besetzen können", so Reinhardt. Demzufolge droht eine zukünftige Fachkräfteknappheit. „Fachkräfte aber", so sagt Ralf Grund vom Bünder Stadtmarketing, „sind ein harter Standortfaktor und von großer Wichtigkeit für die Zufriedenheit der Firmen an einem Wirtschaftsstandort." Daher müssten unverzüglich die Weichen gestellt werden, um einem potentiellen Mangel an qualifizierten Mitarbeitern in Bünde entgegenzuwirken. „Ausbildung ist aktive Fachkräftesicherung", so Grund. Dass immer häufiger Lehrstellen unbesetzt bleiben - daran ist keineswegs nur der demographische Wandel schuld. Schlechte Noten beispielsweise können davor abschrecken, einen Bewerber einzustellen. Aber den Luxus, aus einer Vielzahl von Schulabgängern den oder die aussichtsreichsten Kandidaten herauszusuchen, können sich viele kleine und mittlere Betriebe heute kaum mehr leisten. „Der Trend geht immer mehr hin zu einem Käufermarkt, es wird in Zukunft ein gesunder Wettbewerb zwischen den Firmen um die besten Bewerber entstehen", sagt Heinrich Klöpper, Teamleiter Berufsberatung  der Agentur für Arbeit. Die Vorboten sind bereits zu beobachten. „Schon jetzt zeigen die Betriebe mehr Kompromissbereitschaft bei den Zeugnisnoten und bilden auch ‚schwächere' Jugendliche aus", sagt Starke. Kompromissbereit müssten aber auch die Jugendlichen sein, die sich nicht nur auf ihre Traumberufe fixieren dürften, ergänzt Reinhardt. Tischler, Maler, der kaufmännische oder der Kfz-Bereich: Viele junge Menschen bewerben sich auf die wenigen Stellen in besonders beliebten Branchen. Dabei ist oftmals nur eine kleine Erweiterung des eigenen Horizontes vonnöten, um unbekannte Bereiche zu entdecken und damit ganz neue Chancen aufzutun. Den Kfz-Mechatroniker kennt heute jeder, aber den Zerspanungsmechaniker? „Dabei sind für beide Berufsfelder ähnliche Fähigkeiten erforderlich", so Reinhardt. Zukünftige Berufsanfänger sollten also Alternativen zur Wunschausbildung in der Reserve haben. Auf der anderen Seite müssen Betriebe für sich und ihre Branche lautstark die Werbetrommel rühren.

Denn auf einen unbekannten Ausbildungsberuf in einem unbekannten Betrieb bewirbt sich niemand. Die großen Unternehmen in der Region sind davon kaum betroffen, die „bekommen eine Menge Initiativbewerbungen", sagt Klöpper, „aber die meisten anderen Betriebe werden verstärkt auf sich aufmerksam machen müssen." Feste Kooperationen zwischen Schulen und Unternehmen oder die Teilnahme an Ausbildungsplatzbörsen seien gute Maßnahmen. Wichtig sei, dass jede Gelegenheit zur Werbung genutzt wird und „die Betriebe ihren Ausbildungsbedarf so früh wie möglich dem Arbeitgeberservice der Arbeitsagentur melden", appelliert Reinhardt an die heimische Wirtschaft. Die Agentur für Arbeit versucht, mit einer Vielzahl an Maßnahmen zu unterstützen. Berufsorientierungstage, Sprechstunden, Einzelberatungen, Kompetenzfeststellungsverfahren, Jobbörse - all das dient dazu, Bewerber und Betriebe zusammenzubringen. „Wir sind flächendeckend an allen Schulen und Berufskollegs vertreten", so Klöpper. Ein anderer Faktor, der die Bewerberzahl dezimiert, ist die Tendenz, dass viele Jugendliche einen höheren Bildungsgrad anstreben. Aber das sei nicht in jedem Fall sinnvoll, meinen die Experten der Arbeitsagentur und brechen vor dem Hintergrund des drohenden Fachkräftemangels eine Lanze für die duale Ausbildung. „Viele Jugendliche wollen einen höheren Abschluss erreichen, um einen höheren Status-Einstieg im Beruf zu bekommen, obwohl sie es mit einer dualen Ausbildung auch oder oft viel eher und besser erreicht hätten", sagt Starke.

 

 



» Zurück zur Übersicht